Dialog: Die Sprache die Menschen und Situationen öffnet
Überall sprechen Menschen über Dialog und bejubeln, mit wem und über was sie gerade in Dialog sind. Dialog kann jeder, so scheint es, und das Wort verkauft sich gut. Aber was ist Dialog tatsächlich? Das Wort klingt zu gut, um hinterfragt zu werden. Dabei sollte man gerade das machen: herausfinden was Dialog tatsächlich ist und was er bewirken kann. Dialog verändert Menschen und Situationen.
So wie man eine neue Sprache erlernt, muss jemand der im Dialog sein möchte, erkennen, wie Dialog entsteht.
Dialog als gemeinsame Sprachkompetenz
Den meisten Menschen hören heraus, ob jemand die Sprache des Friedens spricht oder ob es sich um Kriegsrhetorik handelt. Gewaltfreie Kommunikation ist schon lange als eigene Kommunikationsform etabliert. Sie wird gelehrt, gelernt und gesprochen. Das gilt auch für Dialog. Dialog heißt durch das Wort und äußert sich durch Sprache. Dialogsprache.
Dialogfähigkeit funktioniert wie eine Sprachfähigkeit. Es bedeutet nicht, dass man einer Meinung ist oder mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Es geht um eine Sprachkompetenz, die gemeinsam mit anderen Menschen erlernt und angewandt wird.
Ins Gespräch gehen: offene Haltung und Nachfragen
Dialog ist kein zufälliges Gespräch, das zwischen zwei oder mehreren Personen mehr oder weniger gut läuft. Dialog beginnt mit der bewussten Bereitschaft, miteinander sprechen zu wollen und miteinander im Gespräch zu sein. Man lässt sich bewusst darauf ein, andere Standpunkte zu hören und diese erst einmal auszuhalten. Die Einladung zum Gespräch wird explizit ausgesprochen: Ich möchte hören was Du zu sagen hast und worum es für Dich geht.
Dialogfähigkeit bedeutet zu erkennen, was in einem Gespräch passiert und darauf zu reagieren. Sie beobachten ein Gespräch und sich selbst dabei. Was mache ich in diesem Gespräch und was macht das Gespräch mit mir?
Es geht darum wahrzunehmen, was gesagt wird und ob das Gesagte auch verstanden wird. Von den anderen und von einem selbst. Das muss geübt werden, es passiert nicht von selbst.
Dialog bedeutet in einem ersten Schritt offenes Zuhören. Fragen, die einem durch den Kopf gehen, während man zuhört, werden in Worte gefasst. Dann stellt man die Fragen, die sich aus dem Gehörten ergeben.
Es geht jedoch beim Zuhören nicht nur um den Inhalt allein. Welche Sprache wird gesprochen? Die Sprache der Vernunft, der Gefühle, der Macht? Es ist wichtig das zu erkennen, damit man gekonnt reagieren kann. Verstand hilft nicht weiter, wenn Emotionen und Macht im Vordergrund stehen.
Im Gespräch bleiben: Immer wieder Raum schaffen
Dialog ist eine bewusste Entscheidung zu Zusammenarbeit und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zum Finden einer Lösung zu übernehmen. Der Raum zum Austausch wird bewusst geschaffen. Probleme entstehen da, wo Menschen nicht über das sprechen können was passiert. Was braucht es, um offen sprechen zu können?
Kommunikation aufrechtzuhalten obwohl sich keine Verständigung abzeichnet, ist besonders schwierig. Es ist erst einmal zeitaufwendig, sich immer wieder zusammenzusetzen. Lösungen entstehen jedoch erst, wenn alle Beteiligten ein Gesamtbild der Situation haben. Ein gemeinsames Verständnis über das, was vorgeht und was nicht funktioniert öffnet den Weg zu Lösungen.
Dialogsprache ermöglicht das Miteinander sprechen. Menschen und Situationen verändern sich im offenen Gespräch.



