Raum für Dialog schaffen: Gibt es ein Rezept?
Dialog braucht Raum, der so ausgestattet ist, dass Dialog möglich ist. So wie man eine Küche braucht, um zu kochen. Kochen geht auch am offenen Feuer, doch mir ist eine moderne Küche lieber.
Was bringt uns in Dialog?
Im Dialograum landet man nicht zufällig. Dort geht man mit einer Absicht hin. Der Hunger treibt uns an. Oder die Neugier, neue Gerichte auszuprobieren.
Wir laden Menschen ein, deren Erfahrung wir brauchen, von denen wir lernen möchten, mit denen wir gemeinsam etwas zubereiten wollen. Was wird gekocht? Geht es nur darum, dass alle satt werden oder entscheidet man sich für ein spezielles Menü? Vielleicht gibt es jemanden, der eine Zutat mitbringen kann, ohne die das Kochen nicht gelingt.
Zum Kochen braucht man Energie. Was die Hitze fürs Kochen ist, ist der Raum für Dialog. Im Dialog kommt die Energie von den Teilnehmern. Es geht darum, den Dialog lebendig zu halten, so wie man ein Feuer – jetzt bin ich doch beim Feuer – am Flackern halten muss. Alle müssen in irgendeiner Form beitragen.
Der Dialograum ist unsere Küche, wo wir uns treffen wollen. Wir sind bereit zum gemeinsam Kochen und gemeinsam Essen. Die Einladung ist angenommen. Doch wie steht es um die Details? Wie kommen wir in diese Küche? Was bringen wir mit? Möchten wir nur die Zutaten verwenden, die wir kennen? Wie läuft das dann mit Menschen aus anderen Kulturen? Gibt es bestimmte Nahrungsmittel, die wir brauchen, die für uns unersetzlich sind? Was ist, wenn die nicht vorhanden sind?
Das gemeinsame Gelingen braucht Selbstbeobachtung. Wie verhalte ich mich in der Küche? Lasse ich den Topf überkochen oder greife ich ein? Von wem erwarte ich, dass er oder sie handelt? Spreche ich das aus? Sind die Rollen klar? Wie bewege ich mich in der Küche? Verfolge ich aufmerksam, was die anderen machen? Was entgeht mir?
Genau wie beim Kochen ist beim Dialog der Ausgang offen, selbst mit Rezept. Der Geschmack kommt mit dem Essen.
Wie überträgt sich diese Metapher der Küche in Dialog?
Dialog entsteht nicht aus dem Nichts. Man geht nicht ohne Absicht in die Küche. Der Raum wird bewusst gewählt, die Teilnehmer werden eingeladen, es wird bestimmt, welches Thema behandelt werden soll. Menschen bringen Bedürfnisse, Erfahrungen, Kompetenzen. Sie entdecken welches Bild sich daraus ergibt und welche Handlungen sich daraus ergeben. Der Raum muss den Dialog aushalten, auch wenn es sehr heiß hergeht.
Was wollen wir gemeinsam im Dialog erreichen? Welche Bedürfnisse müssen erfüllt werden? Was sind unsere Rezepte, alt und neu? Wer macht was? Was muss vorbereitet und schon im Vorfeld erledigt werden? Welches Süppchen möchten wir kochen?
Dialog entsteht rund um ein Thema wie rund um den Herd in der Küche. Alle beobachten, was passiert, wer was bringt und wer zum Gelingen beiträgt.
Genauso, wie man sich an ein gelungenes Essen erinnert, erinnert man sich an Dialogerfahrungen wo Räume entstanden, wo wir uns selbst und anderen begegnen.


